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Kommentare der Entwickler des microK
Höhere Genauigkeit bei der Temperatur-Kalibrierung und Messung durch
Anwendung eines neuen Typs von Analog/Digital Wandler Paul
Bramley
Metrosol Limited,
John Pickering
Metron
Designs Limited,
Dieser Artikel beschreibt ein neues reversal-switched
Gleichstrom-Präzisionsthermometer, das Leistungspegel erreicht, die
bisher nur mit Wechselstrom-Widerstandsbrücken erzielt werden konnten.
Das microK ist für den Einsatz bei der sekundären Temperaturkalibrierung
und bei hochgenauen Temperaturmeß-Anwendungen (bis 0,4 mK Unsicherheit)
ausgelegt und ist das einzige Präzisionsthermometer, das sowohl mit
Widerstandsthermometern als auch mit Thermoelementen arbeiten kann und
dabei Unsicherheiten im Sub-mK-Bereich erzielt. Die Verwendung einer
Schnittstelle in Form eines berührungsempfindlichen Bildschirms und die
Vermeidung von Schaltern, Relais und Potentiometern bei der Auslegung
macht dieses Gerät zu dem ersten Festkörper-Instrument seiner Art und
ermöglicht hierdurch eine höchstmögliche Zuverlässigkeit. Das Kernstück
dieser Technik ist ein völlig neuartiger Typ von Analog/Digital-Wandler
(Analog-to-Digital Converter – ADC), der auf der
Σ-Δ
(Sigma-Delta) Technik beruht, in dem aber der Einzel-Bit DAC
(Digital/Analog-Wandler) im Rückkopplungskreis durch einen 5-bit PWM (Impulsbreiten-Modulation)
DAC ersetzt ist. Hierdurch wird das von der
Σ-Δ
(Sigma-Delta) Technik ausgehende Quantisierungsstörsignal um mehr als
zwei Größenordnungen reduziert. Das Störsignalverhalten wird dann nur
noch von den in dem ADC und dem Meßsystem verwendeten Elektronikgeräten
bestimmt, das niedriger als das vorhandener vergleichbarer Instrumente
ist.
Einleitung
Obwohl wir uns bei der Durchführung hochgenauer Temperaturmessungen
richtigerweise auf die thermodynamischen Herausforderungen
konzentrieren, sind Anforderungen der elektrischen Meßtechnik für
das Erreichen einer so geringen Meßungenauigkeit durchaus denen
eines guten elektrotechnischen Laboratoriums vergleichbar.
Die verwendeten Haupttemperaturfühler sind natürlich
Platin-Widerstands-Thermometer (PRTs - Platinum
Resistance Thermometers). Die in hochgenauen Kalibrierungs-Anordnungen
verwendeten SPRTs (Standard- PRTs) bestehen aus dünnen und leicht
aufgehängten Spulen aus Platindraht, deren Widerstand gemessen wird, um
daraus die Temperatur zu ermitteln. Bei einem nominellen
Temperaturkoeffizienten von 0,1 ΩK-1 eines 25 Ω SPRT, muß der
Widerstand auf 100 µΩ genau gemessen werden, wenn man eine
Temperaturunsicherheit von 1 mK erreichen will. Typischerweise wird bei
einem 25 Ω-SPRT mit einem 1 mA Fühlerstrom gearbeitet, um die
Selbstaufheizung so gering wie möglich zu halten. Die 1 mK entsprechende
Spannungsunsicherheit beträgt nur 100 nV über einen Bereich von typisch
0 bis 100 mV (um den vollen Temperaturbereich des SPRT ausnutzen zu
können). Diese Anforderung stellt ein anspruchsvolles Meßziel dar.
Thermoelemente werden bei meßtechnischen Anwendungen natürlich häufig
eingesetzt. Thermoelemente aus Edelmetallen kommen bei hochgenauen
Kalibrierungsarbeiten und höheren Temperaturen (über ~1000 °C) zum
Einsatz, wo PRTs nicht mehr verwendet werden können. Die von einem
Thermoelement erzeugt EMK wird gemessen um seine Temperatur zu bestimmen.
Auch hier sind die Ansprüche an die elektrische Meßtechnik durchaus mit
denen eines elektrischen Kalibrier-Laboratoriums zu vergleichen; ein
Gold-Platin-Thermoelement hat bei einer Temperatur vom 1000°C eine EMK-Koeffizienten
von nominell 20 µVK-1, d.h. um 10 mK messen zu können, muß
seine EMK auf 200 nV genau gemessen werden und das, um den vollen
Meßbereich des Thermoelementes ausnutzen zu können, über den Bereich von
0 bis 20 mV. Dies wiederum ist eine herausfordernde Aufgabe für die
elektrische Meßtechnik.
Der Bedarf für einen neuen ADC
In einem Präzisionsinstrument ist der ADC die “Meßmaschine’. Seine
Leistung ist die Grundlage für das Erreichen einer geringen
Meßunsicherheit.
Historisch sind Wechselstrombrücken (oder andere auf Transformatoren
beruhende Meßsysteme wie zum Beispiel Strom-Komparatoren) in
Laboratorien bei der Temperaturmessung verwendet worden, wenn Leistungen
von weniger als 1 mK Unsicherheit erforderlich waren. Diese Meßsysteme
arbeiteten mit Verhältnis-Transformatoren als ihren ADC`s. In einer
Wechselstrom-Widerstandsmeßbrücke wird ein normaler Wechselstrom durch
das SPRT (RX) und den Bezugswiderstand (RS)
geleitet. Die an RS entstehende Spannung wird dem
Transformator skaliert und mit der Spannung an RX verglichen.
Ein Steuerkreis stellt die Transformatoranzapfungen so ein, daß die
Brücke sich im Gleichgewicht befindet und das Fehlersignal zu Null wird.
Da das Verhältnis der Spannungen an der Primär- und der Sekundärwicklung
eines idealen Transformators gleich dem Verhältnis der Wicklungszahlen
ist, ist Rx = nRS.
Bezugswiderstand, Detektor
Bild 1: Wechselstrombrücke
Mit Hilfe dieser Technik kann der ASL F700 eine Toleranz von 0,5 ppm
erreichen.
Bei weniger anspruchsvollen Arbeiten (Unsicherheit über 1 mK) können
Gleichstrom-Potentiometerinstrumente, typischerweise unter Einsatz von
integrierenden ADC`s, verwendet werden. Ein gemeinsamer Gleichstrom wird
durch das Thermometer (RX) und den Bezugswiderstand (RS)
geschickt. Ein Spannungsmesser ist zwischengeschaltet und mißt die
Spannung an RX und RS. Das Verhältnis (n) der
beiden Ablesungen wird berechnet. Der Wert von RX wird dann
aus der Gleichung RX = nRS bestimmt. Die Wirkung
von thermischen EMK’s kann größtenteils durch Umkehren des Stroms und
Mitteln der Messungen mit umgekehrter Polarität eliminiert werden.
Bezugswiderstand, Verstärker
Bild 2: Gleichstrom-Widerstandsinstrument
Das Hart Superthermometer verwendet den Thaler ADC100 als ADC. Obwohl
der Kern-ADC100 nur eine Linearität von 3 ppm hat, macht es die
zusätzliche Linearisierung des Instrumentes möglich, daß das
Superthermometer eine Toleranz von 1 ppm erreicht.
Die meisten Temperatur-Kalibrierungslaboratorien benötigen eine
Widerstandsbrücke oder ein Präzisionsthermometer zur Verwendung mit den
PRTs und ein getrenntes Präzisionsvoltmeter oder ein DMM (Digital
Multi-Meter) zur Verwendung mit Thermoelementen. Das neue hier
beschriebene Präzisionsthermometer (microK) arbeitet mit einer
Gleichstrommeßtechnik, so daß es sowohl Widerstand und Spannung messen
kann, aber ein höhere Leistung erreicht als es normalerweise mit
Gleichstrom-Meßverfahren möglich ist. Dies ist daher das einzige
Instrument, das sowohl mit Widerstandsthermometern (PRTs und
Thermistoren) und Thermoelementen mit einer Toleranz im Sub-mK-Bereich
zusammearbeiten kann. Der Vorteil für den Benutzer ist der, daß er nur
ein Instrument anstelle von zwei zu kaufen braucht und damit sowohl
Investitionskapital als auch laufende Kosten spart (nur ein Instrument
benötigt regelmäßige und nachverfolgbare Kalibrierung).
Das Hauptauslegungsziel für das neue microK war, daß es wesentlich
weniger als 1mK zu dem Unsicherheitsbudget einer typischen Meßanwendung
(25 Ω SPRT bei 1 mA) beitragen soll. Da jedoch die besten verfügbaren
ADCs nicht die Störspannungs- und Linearitätswerte liefern, die im
Sub-mK-Bereich notwendig sind, mußten wir für diese Anwendung einen
vollständig neuen ADC entwickeln.
Ein neuer ADC
Das für das microK entwickelte ADC-System beruht auf der bewährten
Σ-Δ
Technik [1]. Die neue Konstruktion arbeitet mit dem ursprünglich von der
Metron Designs und dem National Physical Laboratory im UK entwickelten
Multi-Bit
Σ-Δ
Verfahren, das, um die anspruchvollen Anforderungen des neuen
microK-Instrumentes erfüllen zu können, weiter verbessert worden ist.
Σ-Δ
ADCs mit sehr hoher Auflösung sind zwar als einzelne integrierte
Schaltungen verfügbar, doch entsprechen ihr Störspannungsverhalten und
ihre Linearität nicht ihrer hervorragenden Auflösung.
Eingang; Integratoren; Digitaler Filter; Ausgangswert
Bild 3: Konventioneller
Σ-Δ
ADC
In einem konventionellen
Σ-Δ
ADC, wird das analoge Eingangssignal von dem Ausgangssignal eines 1-bit
DAC abgezogen, ehe es von einer Reihe von, als Kaskade geschalteten
Integratoren gefiltert wird. Anschließend gelangt das Signal in einen
1-bit ADC, der den DAC speist und die Rückkopplungsschleife bildet. Die
extrem hohe Verstärkung der Niederfrequenzschleife der als Kaskade
geschalteten Integratoren stellt sicher, daß das Eingangssignal mit dem
Ausgang des DAC so abgeglichen wird, daß der Durchschnittswert des 1-bit
Datenstroms des DAC gleich dem Eingangssignal ist. Über einen digitalen
Tiefpass-Filter wird dann der konvertierte Wert des 1Bit-Datenstroms
extrahiert.
Bei einer anderen Art der Betrachtung des Betriebs eines
Σ-Δ
ADC wird bedacht, was in der Frequenzdomain passiert. Das in den
Σ-Δ-Konvertern
angewendete Oversampling bedeutet, daß die von dem 1-bit ADC erzeugte
Quantisierungsstörspannung über die gesamte Bandbreite verteilt wird,
während das Signal, nachdem wir suchen, von dem Oversampling
unbeeinflußt ist. Der digitale Filter läßt nur die schmale Bandbreite
des erforderlichen Signals durch und in dieser Bandbreite ist die
Quantisierungsstörspannung relativ klein, da das Oversampling die
Störleistung ja über die gesamte Bandbreite verteilt.
Die Störspannung auf dem konvertierten Signal läßt sich zwar noch weiter
verringern, wenn man die Samplingrate erhöht, doch wird es mit der
höheren Taktfrequenz des Systems immer schwieriger, die Leistung
aufrecht zu erhalten. Eine weitere Möglichkeit zur Reduzierung des
Störsignals besteht in der Verwendung eines Multi-bit ADC’s und DAC’s im
Rückkopplungskreis. Dies ist aber im Normalfall keine sinnvolle Lösung,
da dann die Genauigkeit des ganzen Meßsystems von dem DAC abhängen
würde. Durch die Verwendung eines PWM DAC, bei dem das Ausgangssignal
eine feste Frequenz und Amplitude aber eine variable Impulsbreite hat,
wandeln wir das Problem der Erzeugung eines genauen Spannungs- oder
Strompegels in das einer exakten Zeitsteuerung um. Während sich die
erforderliche Genauigkeit einer Sub-ppm-Spannung mit einem DAC in einem
Produkt dieser Art nicht erreichen läßt, ist es durchaus möglich, die
entsprechende Zeitgenauigkeit einzuhalten.
Eingang; Buffer; Genauer 5 bit DAC; 4 Integratoren; Geringe Genauigkeit;
120 kHz-Uhr; Logik; 25.bit“-Ausgangsdatenstrom; Digitaler Filter
Dezimal-Umwandler; Ausgangswert
Bild 4:
Σ-Δ-ADC
mit 5-bit-Rückkopplung
Die Anforderungen an die Zeitsteuerung des PWM DAC sind jedoch alles
andere als einfach. Der digitale Filter muß mit der Taktfrequenz des
Σ-Δ
ADC’s arbeiten. Im microK ist dieser digitale Teil des
Σ-Δ
ADC’s als schneller FPGA ausgeführt, wodurch sowohl der digitale Filter,
der das Ausgangssignal des DAC dezimalisiert (um den konvertierten Wert
zu extrahieren), als auch die Steuerung des Rückkopplungs-DAC erreicht
wird. Bei Vollausschlag beträgt die Impulsbreite am PWM DAC nur 5 µs, so
daß die mit dem ADC erreichte Linearität von 0,2 ppm einer Genauigkeit
der Zeitsteuerung von 1 ps oder der Zeit entspricht, in der das
elektrische Signal im Steuerungssystem einen Weg von 0,3 mm zurücklegt.
Die Entwicklung der Kerntechnologie, um diese Leistung zu erreichen,
beanspruchte nahezu die Hälfte der gesamten Entwicklungszeit und der
Kosten des Projektes.
Es könnte so aussehen, als wenn die Verringerung der
Quantisierungsstörspannung durch die Verwendung der
Multi-bit-Rückkopplung in einem
Σ-Δ-ADC
direkt proportional der Auflösung des ADC/DAC sei. Die mit der
verringerten Differentialverstärkung inhärent verbundene höhere
Auflösung des DAC verbessert jedoch auch in erheblichem Maße die
Stabilität des Kreises. Dies ermöglicht eine um Größenordnungen höhere
Integration und eine höhere Schleifenverstärkung, was zu einer
unproportionalen Verringerung der Quantisierungsstörspannung führt [2].
Qn (eff,) bezogen auf 1 bit
Δ
–
Σ;
LF (zirka Fp/200) Quantisierungsstörspannung über der Zahl der DAC-Bits;
Qn bezogen auf 1 Bit DAC; Zahl der DAC-Bits (bipolar)
Bild 5: Einfluß der ADC/DAC Auflösung auf die Störspannung
Diese unproportionale Verbesserung tritt bis zu etwa 4 oder 5 Bits auf,
danach wird die Störspannung proportional zur ADC/DAC-Auflösung. Bei dem
microK haben wir uns daher für die Verwendung der 5-Bit Auflösung
entschieden, hierdurch erhalten wir die vorhergesagte Verringerung der
Quantisierungsstörspannung um einen Faktor von mehr als 600. In der
Praxis bedeutet dies, daß die Quantisierungsstörspannung nicht mehr von
der
Σ-Δ-Technik
bestimmt wird, sondern von der Leistung der in dem ADC und dem Rest des
Meßsystems verwendeten elektronischen Bauelemente abhängt.
Ein weiterer Vorteil des neuen ADC ist seine Schnelligkeit. Die bei dem
microK benutzte Implementierung ermöglicht eine Konvertierung mit voller
Genauigkeit in nur 100 ms. Dies ermöglicht zusammen mit der Verwendung
von Festkörperschaltern eine sehr schnelle Umkehrzeit, die wiederum dazu
beiträgt die Wirkung von thermischen EMKs zu eliminieren und die
Störspannung zu reduzieren (da das System über der Eckfrequenz der
Verstärker 1/f Störspannung betrieben werden kann).
Thermische EMKs
Thermische EMKs (EMKs, die aufgrund der Verbindung von zwei
unterschiedlichen Metallen bei unterschiedlichen Temperaturen entstehen)
sind bei der Arbeit in diesem Genauigkeitsbereich eine potentielle
Fehlerquelle. Diese kann bei der Messung mit Widerstandsthermometern
relativ einfach durch Umkehr der Stromrichtung und Durchschnittsbildung
der Meßwerte eliminiert werden (die Offsets der beiden Messungen heben
sich bei der Bildung des Durchschnittswertes auf). Da dieses Verfahren
jedoch bei der Messung der Temperatur mit Thermoelementen nicht
angewendet werden kann, müssen die thermischen EMKs bereits am
Entstehungsort ausgeschaltet werden. Aus diesem Grunde arbeiten wir mit
Tellur-Kupfer (goldplatiert) als Verbinder-Kontaktmaterial, da dieses
gute mechanische Eigenschaften mit äußerst niedrigen thermischen EMKs
bei dem Kontakt mit den Kupferanschlüssen von Thermoelementen vereint.
Um diese (bereits kleinen) thermischen EMKs von dem Meßsystem fern zu
halten werden die Anschlußverbindungen bereits unmittelbar hinter den
Anschlußklemmen umgepolt. Aus den mit und ohne Umpolung durchgeführten
Messungen wird dann, um die EMKs zu eliminieren, ein Mittelwert
gebildet. Die Begrenzung bilden dann die EMKs, die von den zur Umpolung
verwendeten Vorrichtungen erzeugten werden.
Festkörper-Schaltvorrichtung
Eine der häufigsten Fehlerquellen in Geräten dieser Art sind die
Kontakte der Schalter, Relais, Verbinder und Potentiometer. Aus diesem
Grunde wurde das microK konstruktiv so ausgelegt, daß, abgesehen von dem
Hauptschalter, keine Schalter, mechanischen Relais oder Potentiometer
vorhanden sind. Die Schalter, die üblicherweise für die
Bedienerschnittstelle verwendet werden, wurden durch die Kombination
eines industriellen berührungsempfindlichen Bildschirms mit einem
vollfarbigen VGA LCD ersetzt, wodurch das Instrument sowohl zuverlässig
als auch einfach benutzbar wurde. Die internen Verbindungen wurden auf
drei Bandkabel (mit vergoldeten Kontakten) für die Signalverbindungen
plus einer kleinen Zahl von Verbindern für die Netzwechselspannung und
die interne Gleichstromversorgung ersetzt.
Die bisher auf dem Markt befindlichen Geräte dieser Art verwenden
mechanische Relais für einige oder alle Verbindungen. Mit dem Übergang
auf Halbleiterschalter hat es eine Reihe von Bedenken wegen der damit
verbundenen thermischen EMKs gegeben. Uns war bewußt, daß die
Metall/Silizium-Verbindungen größere thermische EMKs erzeugen würden als
mechanische Relais bei dem gleichen Temperaturgradienten. Aber die sehr
kleinen Abmessungen in den Halbleiterbauelementen bedeuten, daß es kaum
Gelegenheiten für Temperaturgradienten gibt, was ihnen einen erheblichen
Vorteil gegenüber ihren mechanischen Gegenstücken verschafft. In der
Praxis hat sich herausgestellt, daß die thermischen EMKs aus den
Halbleiterbauelement erheblich kleiner sind als bei den besten
mechanischen Relais mit dem Ergebnis, daß wir am Eingang des microK
Spannungs-Offsets von erheblich weniger als 100 nV erreichen. Dieser
Wert ist besser als der der meisten heute beim Messen von
Thermoelementen in Temperatur-Kalibrierungslaboratorien verwendeten
Hochleistungs-Voltmeter.
SubstitutionsTopologie
Eine bedeutende Quelle von Fehlern in der in Bild 2 dargestellten
potentiometrischen Meßtechnik ist die Gleichtakt-Empfindlichkeit des
Eingangsverstärkers. Das Gleichtaktsignal am Eingang des Verstärkers
ändert sich zwischen zwei Messungen und führt zu einem Fehler am Eingang
des ADC.
Um diese Fehlerquelle auszuschalten, arbeitet der microK mit einer
Substitutionstopologie, bei der es in dem System nur einen Meßpunkt
gibt, auf den der SPRT und der Bezugswiderstand abwechselnd
aufgeschaltet werden.
Bezugswiderstand; Verstärker
Bild 6: Substitutions-Meßtopologie
Hierdurch wird die Konstruktion zwar komplexer und auch teuerer, jedoch
wird sichergestellt, daß es zwischen der Messung des Bezugswiderstandes
und des Thermometers keine Änderung des Gleichtaktsignals gibt. Dieser
Ansatz würde normalerweise zu einer stärken Belastung der Stromquelle
führen. Bei der herkömmlichen Anordnung fließt der gleiche Strom durch
den Bezugswiderstand und das Thermometer. In der Substitutionsanordnung
ändert sich die Spannung am Ausgang der Stromquelle zwischen der Messung
des SPRT und der des Bezugswiderstandes und die Stromquelle muß diese
Änderung ohne wesentliche Änderung des Fühlstromes bewältigen.
Die Stromquelle im microK hat eine sehr hohe Ausgangsimpedanz, so daß
sich der Fühlstrom zwischen der Messung des Bezugswiderstandes und der
des Thermometers nicht wesentlich verändert. Zusätzlich ist das gesamte
Meßsystem aktiv geschützt, so daß sich weder die Spannung am Ausgang der
Stromquelle noch die Gleichtaktspannung an dem gemessenen Gerät ändern.
Schutzverstärker; Bezugswiderstand, Verstärker
Bild 7: Geschütztes Meßsystem
Der Schutzverstärker ermittelt das Potential an der “Oberseite” des
Meßsystems und steuert das entgegengesetzte Ende an, um dieses auf
Massepotential zu halten. Auf diese Weise tritt zwischen des Messung des
Bezugswiderstandes und der des SPRT weder an der Stromquelle noch an dem
Verstärker eine Änderung der Spannung des Gleichtaktsignals auf.
Inhärente Stabilität
Die zur Eliminierung der thermischen EMKs bei der Widerstandsmessung
eingesetzte Stromumkehr stellt zusammen mit der echten
4-Leiter-Widerstandsmessung einen eigensicheren stabilen Nullpunkt mit
Zeit und Temperatur sicher. Die Spannung am Verstärkereingang bei der
Messung eines Kurzschlusses ist, unabhängig davon welche Stromrichtung
verwendet wird, immer die gleiche. Bei der Durchschnittsbildung der
(Größe) der Messungen ergibt sich daher immer Null (mit einer durch die
System-Störspannung bestimmten Ungewißheit).
Auf ähnliche Weise bedeutet die Substitutionstechnik daß das Meßsystem,
da die Spannung bei der Messung des Bezugswidertandes und der eines
Thermoelementes mit dem gleichen Wertes identisch ist, auch bei einem
Verhältnis Eins inhärent stabil ist. Es gibt daher bei diesen beiden
Messungen, abgesehen von der Tatsache, daß sie zu leicht
unterschiedlichen Zeiten durchgeführt werden, keinen Unterschied. Auch
hier wird die Unsicherheit der Messung des Verhältnisses Eins durch
Systemstörspannung bestimmt.
Eliminieren der Selbstaufheizungseffekte
Obwohl der bei den SPRTs verwendete Fühlstrom klein ist, kann er doch
zu, durch Selbsterwärmung hervorgerufenen “Fehlern” in der Größenordnung
von mehreren mK führen. Die genauesten SPRTs haben typischerweise sehr
leichte aufgehängte Elemente, so daß die Selbsterwärmung ironischerweise
bei den SPRTs die schlimmsten Auswirkungen hat, die für die genauesten
Messungen ausgelegt sind.
Der microK verfügt für jeden der drei Eingänge über eine individuelle
Warmhalte-Stromquelle, deren Strom den Fühlstrom ersetzt, wenn keine
Messung durchgeführt wird und so dafür sorgt, daß die abgegebene
Leistung in dem SPRT konstant bleibt.
Die genauesten Messungen mit einem SPRT bestehen aus dem Messen seines
Widerstandes mit zwei Fühlströmen und einer anschließenden
Rück-Extrapolation auf den Null-Leistungswert [3]. Die
Benutzerschnittstelle des microK’s bietet eine einfache Funktion, mit
der der Fühlstrom um den Faktor √2 skaliert werden kann, damit diese
Technik einfach durch den Benutzer implementiert werden kann.
Drei Kanäle für bestes praktisches Arbeiten
Die eher ungewöhnliche Wahl von drei Meßkanälen entstand aufgrund eines
Trend bei den Zulassungsbehörden, bei der Durchführung einer
Vergleichskalibrierung die Verwendung von zwei Bezugsthermometern zu
empfehlen. Der microK ist mit drei Eingangskanälen ausgestattet, damit
der Widerstand des zu kalibrierenden Thermometers (DUT) sowie der von
Bezugs-PRTs gegen den internen Bezugswiderstand gemessen werden können,
ohne daß man einen externen Multiplexer verwenden muß. Interessant ist,
daß kleine Fehler bei dem Wert des internen Bezugswiderstandes nur einen
vernachlässigbaren Einfluß auf die Vergleichskalibrierung haben, da der
Fehler bei dem gemessenen Widerstand des DUT dem Fehler bei der von dem
SPRT angezeigten Temperatur entspricht, vorausgesetzt, der
Temperaturkoeffizient (des Widerstandes) des DUT und des SPRT ist
gleich. Alle Nettofehler sind das Produkt des kleinen Fehlers beim
internen Bezugswiderstand und der Differenz zwischen der
Temperatur/Widerstands-Schleifen für das Bezugs- und die
DUT-Thermometer. Diese kann berechnet werden und wird immer unbedeutend
sein.
Die Leistung begrenzende Faktoren
Den größten Beitrag zur Unsicherheit bei der Messung des Widerstandes
von SPRTs liefert der Bezugswiderstand. Aus diesem Grunde ist dieses
Bauelement als Metallfolien-Widerstand höchster Qualität von Vishay
ausgeführt. Die Widerstände sind, abgesehen von dem 1 Ω Normal (das
nicht hermetisch abgedichtet zur Verfügung steht und daher speziell
beschichtet ist) alle in ein hermetisch abgedichtetes Gehäuse eingebaut.
Die Stabilität dieser internen Widerstandnormale ist besser als 5 ppm /
Jahr. Um beste Stabilität zu erreichen, sollten externe Widerstände wie
zum Beispiel die in ein Ölbad eingebauten Wilkins Standard-Widerstände
benutzt werden. Die Erfahrungen haben gezeigt, daß die Stabilität eines
solchen Widerstandes typisch < 1 ppm /Jahr ist.
Die Stabilität des microK bei Spannungsmessungen wird grundsätzlich von
dem internen Spannungsbezug bestimmt. Das hier verwendete Bauelement ist
eine Bezugs-Zener-Diode ähnlich denen, die bei elektrischen
Meterologieanwendungen als Spannungstransfer-Normale verwendet werden.
Die Gesamtstabilität des Spannungssystems (einschließlich der
Zener-Diode und aller anderen Stromkreise) beträgt 3 ppm / Jahr.
Leistung mit RTDs
Die Prüf- und Leistungsvalidierung des Meßsystems stellte
Herausforderungen, die denen der Konstruktion des Produktes selbst
vergleichbar waren.
Da die genauesten Temperaturmessungen mit SPRTs durchgeführt werden,
wurde die Leistung des Widertandmeßsystems als kritischer angesehen.
Dies ist auch sorgfältig unter Verwendung eines RBC (Widerstandsbrücken-Kalibrator)
von 2K Electronics, New Zealand) geprüft worden. Der RBC enthält vier
hochstabile Widerstände, die sowohl in Reihe als auch parallel
geschaltet werden können und bis zu 70 Widerstandsverhältnisse
ermöglichen. Die Spezifikation des RBC (besser als 0,01 ppm) reicht für
das neue Meßsystem mehr als aus [4].
Die Genauigkeit des für dieses Projekt gekauften RBC wurde durch Prüfen
gegen zwei ASL F900 AC Widerstandsbrücken (Toleranz 0,02 ppm), von denen
sich die eine im National Physical Laboratory und die andere im
Haupt-Temperaturlaboratorium von Isothermal Technology befindet. Beide
Prüfungen erbrachten eine Übereinstimmung innerhalb von 0,01 ppm, was
das Vertrauen in die Leistung des RBC stärkte.
Prüfungen des microK-400 (angegebene Toleranz 0,4 ppm) ergaben, wie
unten für das Gerät 06-B002 dargestellt, das ein 25 Ω SPRT bei 1 mA über
den gesamten Betriebsbereich simuliert, daß die typische Toleranz 0,25
ppm beträgt.
Fehler/ppm; Widerstand
Bild 8: Toleranz des microK-400
Leistung mit Thermoelementen
Die Ziele für Temperaturunsicherheit bei Thermoelementen (gerade
Edelmetall-Thermoelemente) sind wesentlich weniger herausfordernd als
die für SPRTs. Die niedrigen von den Thermoelementen erzeugten EMKs
bedeuten jedoch, daß diese Temperaturunsicherheiten immer noch zu
anspruchsvollen elektrischen Meßunsicherheiten führen.
Ein Gold-Platin Thermoelement hat einen Ausgangsbereich von 0 – 20 mV.
Mit einem EMK-Koeffizienten von 20 µVK-1 bei 1000 °C,
bedeutet dies, daß eine Temperaturunsicherheit von 10 mK zu einer
Spannungsunsicherheit von 200 nV führt.
Das zum Messen der Spannung verwendete Meßsystem ist ein Teilsystem des
für die Widerstandsmessung verwendeten Systems. Es wurde daher
angenommen, daß die zur Überprüfung der Linearität des
Widerstandsmeßsystems durchgeführten Prüfungen auch die Linearität des
Spannungsmeßsystems überprüften. Spannungsmessungen setzen aber zum
Prüfen und Kalibrieren die Messung bei Null und bei Vollausschlag
voraus. Zur Zeit wird dies durch Verwenden einer stabilen
Spannungsquelle zusammen mit einem Präzisions-DVM (Digitalvoltmeter)
erreicht. Die mit dieser Technik erreichbaren Meßunsicherheiten
begrenzen aber zur Zeit die Genauigkeit, die wir für das microK angeben
können.
Im allgemeinen ist es schwierig, handelsübliche Produkte oder Systeme zu
finden, mit denen sich Spannungskalibrierungen im Bereich 20 – 100 mV
mit Meßunsicherheiten von 100 nV und das ist der Bereich, in dem wir
arbeiten wollen, durchführen lassen. Metron Designs arbeitet daher an
einem neuen System für hochgenaue Kalibrierungen im
Niederspannungsbereich. Dies umfaßt eine Präzisions-Stromquelle, die
(nachverfolgbar) auf 1 ppm kalibriert werden kann in Kombination mit, in
ein temperaturgeregeltes Ölbad eingebauten Widerständen von Wilkins. Die
ist besonders nützlich, da kalibrierte Widerstandsnormale mit den
erforderlichen Werten (1 Ω and 10 Ω) in Temperaturlaboratorien üblich
sind. Aufgrund der Stabilität der Stromquelle und der Wilkins
Widerstände gehen wir davon aus, daß wir bei Spannungen
Meßunsicherheiten von weniger als 100 nV im Bereich von 20 mV erreichen
werden. Dies wird Gegenstand einer zukünftigen Veröffentlichung sein.
Zusammenfassung
Der neue
Σ-Δ-ADC
mit multi-bit und PWM-Rückkopplung bietet eine bessere Linearität und
ein besseres Störspannungsverhalten als die bisherigen
Σ-Δ
oder integrierenden ADCs. Diese neue Technik ermöglicht es dem microK,
Leistungspegel anzubieten, die bisher nur mit Wechselstrombrücken
erreichbar waren. Die Verwendung der Gleichstrommeßtechnik bedeutet, daß
der microK im Gegensatz zu Wechselstrombrücken sowohl mit
Thermoelementen als auch mit PRTs arbeiten kann. Der microK ersetzt
daher zwei Instrumente, die normalerweise in einem
Temperaturlaboratorium benötigt werden (eine Widerstandsbrücke und ein
digitales Voltmeter), was sowohl Kapital als auch Betriebskosten spart (
nur ein Instrument, bei dem die nachverfolgbare Kalibrierung
aufrechterhalten werden muß).
Schriftum
1.
J Candy
and G Temes, “Oversampling Delta-Sigma Converters” (Delta-Sigma.Wandler
mit Oversampling), IEEE Press
2.
J R
Pickering, D Georgakopoulos, J M Williams and P S Wright, “Effect of a
PWM feedback DAC on the Noise and Linearity of a Delta-Sigma ADC” (Die
Wirkung eines A/D-Wandlers mit Impulsbreitenmodulations-Rückkopplung
auf die Störspannungen und die Linearität eines Delta-Sigma-ADC), Int.
Conf. on A to D and D to A Converters and Their Applications, 2005.
3.
J V
Nicholas and D R White, “Traceable Temperatures – An Introduction to
Temperature Measurement and Calibration” (Nachverfolgbare Temperaturen –
Eine Einführung in die Temperaturmessung und -Kalibrierung), John Wiley
and Sons
4.
D R
White, K Jones, J M Williams and I E Ramsey, “A Simple Resistance
Network for the Calibration of Resistance Bridges”( Ein einfaches
Netzwerk zur Kalibrierung von Widerstandsbrücken), IEEE Trans.
Instrument Meas., IM-42, 5th Oct 1997, 1068-1074.
Verwendete Abkürzungen
AC: Alternating Current – Wechselstrom
ADC: Analog-to-Digital Converter – Analog/Digital-Wandler
DAC: Digital-to-Analog Converter – Digital/Analog-Wandler
DC: Direct Current – Gleichstrom
DMM: Digital Multi-Meter - Digitales Vielfachinstrument
DUT: Device Under Test - Prüfling
DVM: Digital Volt-Meter – Digitaler Spannungsmesser
EMF: Electro-Motive Force – EMK : Elektromotorische Kraft
LCD: Liquid Crystal Display – Flüssigkristallanzeige
PRT: Platinum Resistance Thermometer –Platin-Widerstandsthermometer
PWM: Pulse Width Modulation –Impulsbreitenmodulation
RBC:
SPRT: Standards Platinum Resistance Thermometer – Normal-Platin-Widerstandsthermometer | |
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